Eine der wohlgehüteten Traditionen der Navajo ist die umfangreiche Ausbildung angehender Medizinmänner. Bei über 50 verschiedenen Zeremonien spezialisieren sich die meisten Medizinmänner allerdings auf einige wenige. Für die Navajo ist dies ein Weg, ihre Geschichte kennenzulernen und sich darüber klarzuwerden, wie sie die Traditionen im Alltag bewahren können. Andere Riten werden als einfache Feiern begangen, beispielsweise wenn ein Kind zum ersten Mal laut lacht. Dieses Ereignis wird als Feier im ganzen Stamm begangen. Die Zeremonie ist als „First Laugh Rite“ (Ritus des ersten Lachens) bekannt. In der Kultur der Navajo ist jeder Sonnenaufgang ein Neubeginn, ungeachtet möglicher Fehler der Vergangenheit. Der frühe Morgen ist für sie die Zeit, in der der Schöpfer ihre Gebete beantwortet.

Ein weiteres wichtiges Element ihrer Kultur ist die Zahl vier: die ursprünglichen vier Familien, die vier Berge an den Grenzen des Stammesgebiets, vier Himmelsrichtungen, vier Jahreszeiten, vier Farben. In zahlreichen Zeremonien spielt diese Zahl eine Rolle. Bei Heirat zieht der Mann in das Haus der Frau und wird Teil deren Familie. Verglichen mit anderen patriarchalischer geprägten Gesellschaften ist die Kultur der Navajo historisch auf die Frau als Familien- und Haushaltsvorstand fokussiert. In der Tradition der Navajo sind es die Frauen, die ihr Erbe über Generationen weiterreichen.